Die Villa Hügel in Essenwurde zwischen 1870 und 1873 gebaut., © Fabian Strauch/dpa/Archivbild

269 Zimmer: Krupp-Wohnsitz «Villa Hügel» wird 150 Jahre alt

8100 Quadratmeter Wohnfläche, 269 Zimmer: Vor 150 Jahren bezogen Stahlbaron Alfred Krupp und seine Familie ein nagelneues und repräsentatives Wohnhaus im Essener Süden, die Villa Hügel. Die Krupp-Stiftung nimmt dies zum Anlass für ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm rund um die seit 1953 der Öffentlichkeit zugängliche Villa. Eröffnet wird das Jubiläumsjahr am 10. Februar mit einem Festakt im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

«Wir wollen, dass es brummt hier auf dem Hügel», sagte Stiftungsvorstand Volker Troche am Mittwoch. Besucherinnen und Besucher aller Generationen seien dazu eingeladen, den historischen Ort neu zu entdecken.

Helfen soll dabei etwa eine neu entwickelte App, die mit Hilfe von virtuellen Bildern nicht mehr vorhandene Möbel, Treibhäuser oder das sogenannte Kaiserbadezimmer sichtbar macht. Sonderführungen unter der Überschrift «Nie gesehene Räume» führen etwa in das Schwimmbad, die Küche oder ins Archiv, in dem zehn Regalkilometer Akten sowie 2,5 Millionen Fotos aufbewahrt werden.

Vom 12. Februar an wird sechs Wochen lang die Kunst-Installation «kontraste» des Duos joeressen+kessner mit Licht und Musik Vorder- und Rückseite der Villa einhüllen. Start ist jeweils ab Sonnenuntergang. Für die Installation sammelte das Duo im Archiv akustische und visuelle Daten zu architektonischen, bildlichen und kulturgeschichtlichen Aspekten.

Neben Vorträgen etwa zu historischen Menükarten gibt es auch drei Open-Air-Konzerte. Unter anderem wird dabei am 8. Juli der Musiker Helge Schneider mit dem Folkwang Jazz Orchester auftreten. Im ehemaligen Wohnzimmer der Krupps sind Vorstellungen von Kinoklassikern wie Shining, Goldfinger oder Psycho geplant. Etwa 300 Menschen können jeweils zusehen.

Um ihre Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet zum Ausdruck zu bringen, schreibt die Krupp-Stiftung 2023 außerdem ein mit bis zu 1,5 Millionen Euro dotiertes Förderprogramm aus. Gefördert werden sollen 150 Projekte aus der Region, in denen es um Chancengleichheit, nachhaltiges Handeln oder die Verwirklichung kreativer Ideen geht.

Die Villa Hügel wurde bis 1945 von der Industriellenfamilie als Wohnhaus genutzt. Anschließend war sie Sitz der alliierten Kohlen-Kontrollkommission. Seit 1953 ist sie der Öffentlichkeit zugänglich. Sie wird jährlich von rund 100.000 Menschen besucht.