Ein Polizist trägt Handschellen und seine Dienstwaffe bei sich., © Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Aktion gegen Rockerkriminalität: Durchsuchungen in NRW

Bei einer bundesweiten Razzia gegen Rockerkriminalität hat die Polizei am Mittwoch 38 Objekte in Nordrhein-Westfalen durchsucht. Darunter seien Vereinsheime und Privatwohnungen in den Bereichen Wuppertal, Köln, Bonn, Remscheid und Mettmann sowie in mehreren anderen Städten, sagte ein Sprecher der Polizei in Düsseldorf. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums waren rund 400 Beamte an den Durchsuchungen beteiligt. Die Maßnahmen richteten sich gegen Mitglieder der «United Tribuns».

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat die rockerähnliche Gruppierung verboten, der in Deutschland knapp 100 Mitglieder zugerechnet werden. Mitglieder der «United Tribuns» hätten schwerste Straftaten begangen, unter anderem Sexualstraftaten, Menschenhandel und versuchte Tötungsdelikte, sagte sie zur Begründung. Der Verein und seine 13 «Chapter» würden aufgelöst, das Vereinsvermögen werde beschlagnahmt. Insgesamt habe es Durchsuchungen in neun Bundesländern gegeben.

«Niemand hat das Recht, Gebiets- und Machtansprüche mit Gewalt durchzusetzen», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch auf dpa-Anfrage in Düsseldorf. «Mit dem bundesweiten Vereinsverbot zeigt der Staat: Wir verfolgen Straftaten konsequent und dulden keine kriminellen Machenschaften unter dem Deckmantel von Vereinsstrukturen.»

Nach Angaben von Reul haben die «United Tribunes» in NRW vier Chapter mit insgesamt 35 Mitgliedern. Bei den durchsuchten Objekten handelte es sich überwiegend um Wohnungen sowie zwei Vereinsheime. Die Ermittler hätten unter anderem einen 3D-Drucker sichergestellt, der zur Herstellung von Schlagringen benutzt worden sei.

Bei einem Einsatz in Köln seien Spezialeinheiten beteiligt gewesen, sagte der Düsseldorfer Polizeisprecher. Ziel der Razzia sei es gewesen, Vermögenswerte sowie Abzeichen der Gruppierung sicherzustellen.

Nach Angaben des Bundesinnenministerium war die Gruppierung 2004 von einem ehemaligen bosnischen Boxer im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen gegründet worden. Ihr gehören Deutsche und Ausländer an, die überwiegend aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien stammen. Der Gründer soll sich nicht mehr in Deutschland aufhalten. Der Mann, der während des Krieges in Bosnien als Flüchtling nach Deutschland gekommen war, arbeitete den Angaben zufolge zunächst als Türsteher und gründete später mit anderen zwei Bordelle.

Die Gruppe lieferte sich gewalttätige Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Rockergruppierungen wie den «Hells Angels». Nach einem Angriff 2016, der für ein Mitglied der «United Tribuns» tödlich endete, waren vier ehemalige Mitglieder des Leipziger Ablegers der «Hells Angels» zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt worden.