Besucher schauen sich die Ausstellung der mittlerweile verstorbenen Fotokünstlerin Evelyn Richter an., © David Young/dpa

Chronistin des DDR-Alltags: Fotos von Evelyn Richter

Als erstes Museum in Westdeutschland zeigt der Düsseldorfer Kunstpalast eine Retrospektive des über 50-jährigen Schaffens der Fotografin Evelyn Richter. Zu sehen sind Porträts und Bilder aus dem Alltag der DDR und der Sowjetunion. «Im Westen sind die Werke von Fotografinnen und Fotografen aus der DDR generell leider immer noch zu wenig bekannt», sagte der Generaldirektor des Kunstpalasts, Felix Krämer, am Mittwoch. Die Schau umfasst rund 300 Exponate. Dazu zählen neben etwa 150 Fotografien Richters von den 1950er-Jahren bis zur Wiedervereinigung auch Schallplattencover, Fotobücher und Archivmaterial. Richter war im vergangenen Jahr im Alter von 91 Jahren gestorben.

Die Ausstellung «Evelyn Richter» läuft von Donnerstag bis zum 8. Januar 2023. Die 1930 in Bautzen geborene Richter galt als Chronistin der Lebens- und Arbeitswelten in der DDR. Sie porträtierte vorwiegend in schwarz-weiß Menschen in Alltagssituationen – bei der Arbeit, in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf der Straße.

Das Dresdner Albertinum hatte der ostdeutschen Künstlerin bereits 2020 eine kleine Retrospektive gewidmet. Mit der Schau in Düsseldorf folgt nun die Stadt, die Richter 2020 mit dem erstmals verliehenen Bernd-und-Hilla-Becher-Preis für ihr Lebenswerk auszeichnete.

Evelyn Richter machte eine Fotografenausbildung und arbeitete danach stets freiberuflich. Lange Zeit ihres Lebens lebte und arbeitete sie in Leipzig. Ihre Werke konnte sie weder veröffentlichen noch verkaufen und arbeitete «für die Kiste», wie sie selbst sagte. Ein großer Teil ihrer Arbeiten wird im 2009 gegründeten «Evelyn Richter Archiv» im Museum der bildenden Künste in Leipzig aufbewahrt.