Leverkusener Fans halten Schilder mit der Aufschrift „Meisterkusen“ in die Höhe., © Marius Becker/dpa

Ausgleich in letzter Minute: Bayer-Serie hält auch gegen VfB

Nachdem die Leverkusener mit einem erneuten Kraftakt ihre Super-Serie gerettet hatten, ließen sie sich von ihren Fans wie Sieger feiern. Dass Bayer auch nach dem vorzeitigen Gewinn des ersten Meistertitels in der Fußball-Bundesliga ungeschlagen blieb, verdankte das Team von Trainer Xabi Alonso beim 2:2 (0:0) gegen den VfB Stuttgart wieder einmal einer erfolgreichen Aufholjagd und einem Last-Minute-Treffer von Nationalspieler Robert Andrich (90.+6). Der Werksclub kann durch das Remis am Samstag den Punkterekord in einer Spielzeit zwar nicht mehr holen, doch das trübte die Freude der Leverkusener kaum.

«Wichtig war, dass wir vorne draufgegangen sind. Wir wollten auf Biegen und Brechen den Anschlusstreffer, und dann haben wir bis zum Ende dran geglaubt und nach vorne gespielt», sagte Andrich hinterher bei Sky: «Daran sieht man, dass die Truppe das Spiel nicht verlieren wollte.» Torhüter Lukas Hradecky sagte: «Wahnsinn, ich habe keine Worte dafür.»

Gegen den Tabellendritten hatte Bayer einen 0:2-Rückstand aufgeholt und war auch im 46. Pflichtspiel der Saison ohne Niederlage geblieben. «Wir haben so ein starkes Spiel gemacht, da tut es extrem weh», sagte VfB-Torhüter Alexander Nübel. 

Die Neu-Nationalspieler Chris Führich (47.) und Deniz Undav (57.) brachten die Gäste mit 2:0 in Führung. Amine Adli (61.) verkürzte und Andrich setzte den Schlusspunkt. Allerdings kann Bayer am Saisonende bestenfalls auf 90 Zähler kommen. Der Punkterekord des FC Bayern von 91 Zählern aus der Saison 2012/13 wird somit bestehen bleiben. Die erste Spielzeit ohne Niederlage ist für Bayer nach nun 31 Liga- und 46 Pflichtspielen und einem Jahr mit diversen Bestmarken aber weiter möglich. Am Donnerstag muss die Mannschaft von Trainer Alonso im Halbfinale der Europa League bei der AS Rom antreten.

Die Stuttgarter blieben nach dem 1:1 im Hinspiel dagegen wie sonst nur Borussia Dortmund in beiden Spielen gegen den neuen Meister ungeschlagen und festigten Rang drei. Bei sieben Punkten Vorsprung auf Rang fünf und drei ausstehenden Spielen muss sich der Fast-Absteiger der vergangenen beiden Jahren beim Kampf um den Champions-League-Einzug wohl auch nicht auf die mögliche Ausnahme mit fünf Bundesligisten in der Königsklasse verlassen.

Beiden Teams fehlten in Granit Xhaka und Angelo Stiller die wohl wichtigsten Stabilisatoren im Mittelfeld. Und der Respekt voreinander war riesig. Alonso hatte den VfB, der sein Team beim 1:1 im Hinspiel und dem 2:3 im Pokal-Viertelfinale nach zweimaliger Führung schon so nahe an einer Niederlage hatte wie kaum eine andere Mannschaft, im Vorfeld als «eine der besten Mannschaften Europas in dieser Saison» geadelt.  

Und wie in den beiden vorherigen Spielen boten die Schwaben dem Meister von Beginn an die Stirn. Sie suchten ihr Heil selbst in einer offensiven Ausrichtung und aggressiven Spielweise und hatten zunächst sogar deutlich mehr Ballbesitz. In der 14. Minute wäre das fast schon belohnt worden, als VfB-Torjäger Serhou Guirassy nach einer Flanke von Leonidas Stergiou aus sieben Metern um Zentimeter vorbeiköpfte. Leverkusens erste Großchance entsprang sogar einem Konter, als Alejandro Grimaldo zuerst an Stuttgarts Keeper Nübel scheiterte und Patrik Schick den zweiten Versuch volley deutlich drübersetzte (29.).

In die zweite Halbzeit erwischte dann der VfB einen Blitzstart. Jamie Leweling traf aus spitzem Winkel den Pfosten und Führich verwandelte den Abpraller 68 Sekunden nach Wiederanpfiff. Neun Minuten später setzte sich Undav im Duell der Nationalspieler gegen Andrich durch und erhöhte mit seinem 18. Saisontor. Nun wurde es ein wilder Schlagabtausch. Guirassy vergab das 0:3 (60.), wenige Sekunden später verkürzte Adli. Bayer drückte nun mit aller Macht, doch Nübel hielt gegen Adli und im Nachschuss gegen Jonas Hofmann überragend (65.). In der 74. Minute brachte Alonso die lange geschonten Florian Wirtz und Victor Boniface. Die Leverkusener erhöhten den Druck – und wurden am Ende dafür belohnt.

Quelle: dpa