Der Naturschutzverband BUND sieht die Wisent-Herde in einer prekären Lage und will gerichtlich ihre Freilassung erreichen (Foto-Archiv), © Oliver Berg/dpa

BUND will Freilassung der Wisente aus Gatter am Rothaarsteig

Im Streit um Deutschlands einst einzige freilebende Wisent-Herde, die vor einigen Monaten eingefangen worden war, will der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gerichtlich wieder eine Freisetzung der Tiere aus ihrem Gatter erreichen. «Die Tiere sind in einer prekären Lage. Rund 40 Wisente auf 24 Hektar, das ist viel zu eng für eine artgerechte Haltung», sagte der NRW-Landesvorsitzende des Naturschutzverbands, Holger Sticht, am Dienstag auf dpa-Anfrage. 

Die streng geschützten Tiere würden ohne Rechtsgrundlage in dem Gatter festgehalten. «Die Lage wird absehbar immer schlimmer, es drohen Krankheiten und Parasitenbefall.» Fast alle Kühe seien trächtig. Ende August werde Nachwuchs erwartet und die Situation sich dann noch verschärfen. Die Wisente hätten innerhalb des Gatters keine natürlichen Ernährungsmöglichkeiten mehr. 

Klage im Eilverfahren 

Der BUND hat beim Verwaltungsgericht Arnsberg einen Eilantrag auf Freilassung der Tiere per einstweiliger Anordnung gestellt, wie der Verband mitteilte. Eine Entscheidung werde womöglich noch im Juli fallen, so der BUND. Bereits im April habe man eine Klage im Hauptsacheverfahren eingereicht, um «die artenschutzrechtlich rechtswidrige Einsperrung» der Tiere zu beenden. Es gelte, Todesfälle zu vermeiden – auch angesichts von Revierkämpfen in der zu kleinen Gatteranlage. Man sei in Sorge, dass der Kreis Siegen-Wittgenstein Fakten schaffen und die Wisente in andere Tierparks in Europa bringen wolle, was aus Sicht der BUND rechtswidrig wäre.

Hintergrund und Vorgeschichte der Herde

Die Wisente waren vor elf Jahren in einem europaweit beachteten Artenschutzprojekt ausgewildert worden. Zunächst handelte es sich 2013 um acht Tiere, die einzige freilebende Herde in Deutschland. Sie waren im Wittgensteiner Land im Rothaargebirge freigesetzt worden – auf Grundlage eines Vertrags zwischen einem damaligen Trägerverein, dem Kreis Siegen-Wittgenstein und der Bezirksregierung Arnsberg. Die Herde war aber deutlich angewachsen, weit über das vorgesehene Projektgebiet hinaus gewandert und hatte laut Waldbauern große Schäden an Bäumen verursacht. 

Nach langem, lähmendem Streit und Suche nach Lösungen zeichnete sich seit Herbst 2023 keine Perspektive mehr zur Rettung des Projekts ab. Im März 2024 hatte der Kreis Siegen-Wittgenstein mitgeteilt, 40 Tiere lebten nun «in einem neu errichteten, rund 25 Hektar großen Managementgatter auf dem Gebiet der Stadt Bad Berleburg, sodass die Freisetzungsphase zurzeit beendet ist».

Zuvor hatten nach anhaltendem Patt die früheren Umweltminister Ursula Heinen Esser (CDU) und Johannes Remmel (Grüne) an einem Runden Tisch empfohlen, die herumziehende Herde schnellstmöglich einzufangen und auf 20 bis 25 Tiere zu verkleinern – also mehrere Wisente zu Herden an anderen Orten in Europa zu transportieren. Zudem war der Eigentümer der Grundstücke, über die sich das Wisentgebiet im Kreis Siegen-Wittgenstein erstrecken sollte, nach Angaben des Kreises auch nicht mehr bereit gewesen, seine Flächen zur Verfügung zu stellen. 

Quelle: dpa