Dua Lipa hat ihr drittes Studioalbum «Radical Optimism» veröffentlicht (Archivbild)., © Jordan Strauss/Invision via AP/dpa

Dua Lipa triumphiert auf «Radical Optimism»

Nicht zufällig heißt das dritte Studioalbum von Dua Lipa «Radical Optimism». Die 28-Jährige hat das Konzept, selbst in schwierigen Situationen positiv zu denken, zu ihrem Lebensmotto erklärt. «Ich versuche immer, wirklich immer, optimistisch zu bleiben, egal was passiert», sagt Lipa im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. «Das ist nicht immer leicht. Manchmal läuft einfach alles schief und trotzdem muss man durchhalten.»

Zumindest von außen betrachtet läuft derzeit alles rund für die britisch-albanische Sängerin. Mit ihrem perfekt produzierten Disco-Pop-Album «Future Nostalgia» stieg sie zum Weltstar auf. Neben ihrer Popkarriere ist die mehrfache Grammy-Gewinnerin unter anderem als Model, Podcasterin und neuerdings auch in Nebenrollen als Schauspielerin in Hollywood-Filmen («Barbie», «Argylle») aktiv.

Zusammenarbeit mit Tame Impala

Fast 100 Songs hatte Dua Lipa in ihrem Notizbuch gesammelt – viele davon, bevor sie mit «Future Nostalgia» auf Tournee ging. «Ich habe einfach geschrieben, bis mir klar wurde, wo es hingehen soll», sagt sie. Erst durch die Arbeit mit Kevin Parker, besser bekannt als kreatives Genie hinter dem Namen Tame Impala, nahm das neue Album Gestalt an. Produzent Danny Harley, Songwriter Tobias Jesso Jr. und Songwriterin Caroline Ailin, die schon die Hitsingles «New Rules» und «Don’t Stop Now» mit Lipa schrieb, waren ebenfalls beteiligt.

«Als ich 2022 mit Kevin gearbeitet habe, war die erste Session ein Aha-Erlebnis», erzählt Lipa. «Kevin, Danny, Tobias, Caroline und ich haben das Lied «Illusion» geschrieben. Am nächsten Tag haben wir «Happy For You» geschrieben, und am nächsten Tag «Watcha Doing». Da wurde mir klar, in welche Richtung wir gehen.»

Die erste von drei vorab veröffentlichten Singles – «Houdini» – suggerierte mit analogen Synthesizern und markanten Keyboard-Riffs einen etwas anderen, dunkleren Sound. Hingegen war die zweite Single – «Illusion» – der fast schon erwartbare Dua-Lipa-Clubhit und wirkte mit Anleihen von French House wie ein Überbleibsel des polierten «Future Nostalgia». Das progressive Synthesizer-Solo von «Illusion» deutete allerdings an, dass sie neue Dinge ausprobieren könnte.

Die launige Latin-House-Nummer «End Of An Era» leitet das dritte Studioalbum von Dua Lipa schwungvoll ein und bleibt, wie die meisten der folgenden Lieder, sofort im Ohr. Die 28-Jährige verarbeitet Erfahrungen aus ihrem eigenen Liebesleben – über das sie nicht sprechen möchte – und singt über voreilige Schlüsse und dass sie «hopelessly romantic» sei. Ist sie wirklich eine hoffnungslose Romantikerin? Lipas Antwort: «Ich würde mich gern als hoffnungsvoll bezeichnen.»

Neue Klangwelten

Sicher auch dank Parkers Einfluss fasziniert «Radical Optimism» mit reichhaltigen Klangwelten, die man von Dua Lipa bisher nicht kannte. Vom sommerlichen, groovigen Pop mit fröhlichem 80er-Jahre-Synthesizer («Watcha Doing») über raffinierten Trip Hop («French Exit») bis zur treibenden Disco-Ballade, die stilistisch irgendwo zwischen Giorgio Moroder und Eurovision-Kitsch liegt («Falling Forever») – das Album wird nicht langweilig und klingt jederzeit lebhaft.

«Nachdem ich im Jahr 2022 so lange auf Tour war, habe ich mich noch mehr in die Live-Versionen der Songs verliebt», erzählt die Sängerin. «Und deshalb war es mir wichtig, Live-Instrumente zu haben, etwas Organisches, einfach in einem Raum mit einer Gruppe von Leuten zu sein und sich fast wie eine Band zu fühlen. So etwas hatte ich vorher nicht gemacht.» Das ist geradezu erfrischend.

Originelle Details bereichern die Lieder. Besonders cool: im Refrain von «Maria» ist eine einprägsame Flötenmelodie zu hören, der man sich kaum entziehen kann. Der mitreißende Dancefloor-Kracher mit Akustik-Gitarren hat durchaus Suchtgefahr und muss eigentlich eine Single werden.

Nicht eine konkrete Musikrichtung, sondern eine besondere Energie habe sie inspiriert, sagt Lipa. «Screamadelica» von Primal Scream, «Dummy» von Portishead und die Alben von Massive Attack habe sie sehr häufig gehört. «Ich liebe diesen freien Fluss, die Melodie», schwärmt die Sängerin, «die Gefühle, die das in mir auslöst, die Euphorie, die ich beim Hören verspürt habe. Und das war die Energie, die ich auch mit meinem Album vermitteln wollte.» Gesagt, getan.

Musikreise statt Spotify-Algorithmus

In einer Zeit, in der Songs für den Spotify-Algorithmus geschrieben werden, sieht Dua Lipa das Album als Gesamtwerk. «Es ging mir darum, dass klanglich ein Song zum nächsten führt und ich die Leute auf eine Reise mitnehme.» Dass sich viele Fans einzelne Lieder rauspicken werden, ist ihr natürlich bewusst. «Ich hätte liebend gern, dass die Leute es in einem Rutsch hören, aber ich kann nicht kontrollieren, wie sie ihre Musik hören. Ich kann es nur so präsentieren, wie ich mir wünschen würde, dass sie es hören.»

Es lohnt sich tatsächlich, «Radical Optimism» von der ersten bis zur letzten Minute zu hören. «Happy For You» endet mit einem mächtigen Klangteppich und einem Synthesizer-Outro, das an die Moog-Eskapaden von Progressive-Rock-Legende Rick Wakeman erinnert. Wer hätte damit gerechnet?

Die mitreißenden neuen Lieder von Dua Lipa sind den Mengen von mittelmäßigen Popsongs, die regelmäßig die Charts füllen und deren Interpreten die Ablösung durch Künstliche Intelligenz ernsthaft fürchten müssen, qualitativ meilenweit voraus. Mit «Radical Optimism» bestätigt Dua Lipa ihren Status als einer der wichtigsten Popstars der Gegenwart. Ihr drittes Studioalbum ist ihr bislang bestes.

Quelle: dpa