Türkische Fans feiern in Berlin., © Christoph Soeder/dpa

EM-Viertelfinale in Berlin als türkisches Fußballfest

Für die türkische Gemeinde in Berlin ist das EM-Viertelfinale der Türkei gegen die Niederlande an diesem Samstag in der deutschen Hauptstadt ein Fußballfest. «Berlin ist ja die größte Stadt außerhalb der Türkei mit über 200.000 türkeistämmigen Menschen, deswegen freuen sich die Leute natürlich», sagte Vorstandssprecher Safter Çinar vom Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) der Deutschen Presse-Agentur: «Viele türkische Cafés und Restaurants, die bislang keinen Fernseher hatten, haben jetzt alle einen installiert.»

Dass durch den Wirbel um den Wolfsgruß-Jubel des türkischen Nationalspielers Merih Demiral der Sport in den Hintergrund geraten ist, sei «wirklich sehr bedauerlich», meinte Çinar: «Was der Junge gemacht hat, ist natürlich Unsinn, der wird auch sicherlich sanktioniert.» 

Es sei jedoch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) gewesen, die mit Kritik an der Erkennungsgeste der «Grauen Wölfe», einer der größten rechtsextremen Gruppen in Deutschland, den Vorfall auf die politische Ebene gehoben habe. «Das war völlig überflüssig und hat die Atmosphäre vergiftet», äußerte der TBB-Vorstandssprecher. 

«Nonplusultra-Hochrisikospiel»

Ob und inwieweit der erwartete Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beim Spiel am Samstag (21.00 Uhr/RTL/MagentaTV) im Olympiastadion Einfluss auf die Stimmung hat, könne er nicht abschätzen, so Çinar. Er hoffe aber, dass es vor, während und auch nach der Partie friedlich bleibe.

Das Viertelfinale sei ein «Nonplusultra-Hochrisikospiel», sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin, der Deutschen Presse-Agentur: «Beim aktuellen Teilnehmerfeld gibt es keine brisantere Partie als Niederlande gegen die Türkei in Berlin.»

Aufgrund der großen türkischen Community in Berlin, die sich auch abseits der Hotspots zum Fußballgucken und Feiern treffe, sei Unterstützung aus dem Bundesgebiet angefragt worden. Rund 3000 Beamte dürften im Einsatz sein. Der Erdogan-Besuch ändere wenig an den Personal-Planungen, so Jendro: «Wir rufen eh schon alles in den Dienst, was laufen kann.»

Quelle: dpa