Eine Schülerin meldet sich im Unterricht., © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

GEW: Personalmangel an Schulen in strukturschwacher Lage

Vom Lehrkräftemangel in NRW sind vor allem Schulen in strukturschwacher Lage aus Sicht der Gewerkschaft GEW in dramatischer Weise betroffen. «Und gerade dort ist der Mangel umso fataler», sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Ayla Çelik, am Donnerstag beim Besuch einer Grundschule in Duisburg-Marxloh. An der GGS Sandstraße seien nur 75 Prozent der Lehrerstellen besetzt, pro Woche müssten insgesamt 224 Unterrichtsstunden in verschiedenen Fächern und Klassen gestrichen werden, berichtete die GEW-Chefin.

Der Schule stehen 33 Stellen zu, aber acht Stellen seien unbesetzt. «Die Schulleitung verwaltet die ganze Zeit über den Mangel», zitierte Çelik nach Gesprächen mit Schulleitung und Lehrkräften. Für die Schülerinnen und Schüler bedeute das, dass ihnen Chancen genommen würden. Für die Lehrerinnen und Lehrer «im System» sei die Belastung groß, weil sie tagtäglich versuchten, die Lücken aufzufangen. Schulen an strukturschwachen Standorten hätten häufig eine höhere Diversität, es seien besonders intensive Sprachförderung und erhebliche Integrationsleistungen erforderlich, für die aber kaum Zeit und Ressourcen vorhanden seien.

Die Situation der Duisburger Grundschule sei exemplarisch für viele Schulen in strukturschwachen Lagen, schilderte die GEW-Vorsitzende. Herkunftsbedingte Nachteile könnten damit nicht aufgefangen werden. Die knappen Ressourcen in NRW – personell wie finanziell – müssten dorthin gelenkt werden, wo der Bedarf am größten sei, forderte sie. Mehr Verwaltungskräfte, IT-Angestellte, Schulsozialarbeiter und Fachleute für die Sekretariate sollten eingestellt werden, um Lehrer zumindest von Tätigkeiten aus diesen Bereichen zu entlasten.

In NRW fehlen Tausende Lehrerinnen und Lehrer. Zum Stand 1. Dezember 2022 waren 8047 Lehrerstellen laut Schulministerium unbesetzt – bei 165 070 zur Verfügung stehenden Stellen. Grundschulen sind besonders betroffen – hier waren nach jüngsten Zahlen 3437 Lehrerstellen unbesetzt.

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hatte Maßnahmen vorgestellt, die den Lehrkräftemangel lindern sollen – und unter anderem mehr Seiteneinsteiger, Alltagshelfer, weniger Klassenarbeiten und rigorosere Abordnungen. Dafür würden aktuell rechtliche Verordnungen angepasst und Anweisungen für die Bezirksregierungen erarbeitet – im Frühjahr solle alles soweit fertig sein, hatte sie erst am Mittwoch gesagt.

Auch bundesweit ist der Lehrkräftemangel laut Deutschem Schulbarometer derzeit das größte Problem an den Schulen. Gut zwei Drittel der deutschlandweit gut 1000 befragten Schulleitungen hatten den Personalmangel als größte Herausforderung genannt. Die Erhebung war von der Robert-Bosch-Stiftung beauftragt und am Mittwoch vorgestellt worden.