Eine Frau wirft ihren Stimmzettel in ein Wahlurne in einem Wahllokal in Essen., © Fabian Strauch/dpa

CDU auch in NRW Wahlsiegerin: AfD zieht stark an

Bei der Europawahl ist die CDU in Nordrhein-Westfalen laut einer Hochrechnung des WDR ebenso wie bundesweit stärkste Kraft geworden. Laut den Zahlen von 20.05 Uhr hat sie im bevölkerungsreichsten Bundesland mit 32,0 Prozent deutlich die Nase vorn und verbessert ihr Ergebnis von 2019 (27,9).

Wüst sieht Wähler-Botschaft an die Ampel: «Hört auf Euch tu streiten»

Er freue sich besonders, dass sie CDU in NRW sogar noch vor dem bundesweiten Durchschnitt (20.37 Uhr: 30,3 Prozent) liege, sagte der Landesparteichef und Ministerpräsident Hendrik Wüst am Sonntagabend in der Düsseldorfer Parteizentrale. Der «tolle Erfolg» bestätige den Kurs der Mitte. Die Abstimmung sei aber auch ein klares Signal der Wähler an die Ampel: «Hört auf, Euch zu streiten und macht endlich Politik für die Menschen in diesem Land.»

SPD mit schlechtestem Europawahlergebnis in NRW

Auf Platz zwei folgt die SPD, die mit 16,7 Prozent ihr zuvor schlechtestes Ergebnis bei einer Europawahl von 2019 (19,2) nochmals unterschreitet. Die Doppelspitze der NRW-SPD, Sarah Philipp und Achim Post, räumte «eine klare Niederlage» ein, aus der sie für die nächsten Kommunal- und Bundestagswahlen Lehren ziehen wollen. «In Anbetracht des Wahlausgangs dürfen wir jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen», unterstrich Post in einer Mitteilung.

Grüne stürzen in NRW von Rang zwei auf drei

Die Grünen fallen in NRW mit 13,7 Prozent deutlich hinter ihr Top-Ergebnis von 2019 (23,2) und damit von damals Platz zwei auf jetzt Platz drei zurück. «Uns ist es offenbar nicht gelungen, den Menschen ihre Sorgen zu nehmen und zu vermitteln, dass sich Anstrengungen lohnen für einen nachhaltigen Wohlstand und Sicherheit», räumte die Landesvorsitzende Yazgülü Zeybek ein. «Daran werden wir arbeiten.»

AfD auch in NRW im Aufwind

Die AfD verbessert sich stark von damals 8,5 auf 12,8 Prozent. Es zeige sich, dass die AfD die richtigen Themen anspreche, kommentierte Landespartei- und Fraktionschef Martin Vincentz das «starke Ergebnis», das trotz widriger Umstände und aufgeheizter Stimmung im Wahlkampf erreicht worden sei. 

Wüst besorgt über AfD-Ergebnisse

Wüst warnte dagegen, das Abschneiden der AfD, die im Bund mit 16,2 bis 16,4 Prozent sogar auf Platz zwei gesprungen ist, müsse «allen Parteien zu denken geben». Dennoch freue er sich, «dass die übergroße Mehrheit allen Wechselfantasien der Extremisten eine Absage erteilt hat.» NRW profitiere im Herzen Europas wie kein anderes Land von der Europäischen Union, bekräftigte Wüst. 

Neuer Job für Düsseldorfs Ex-OB Geisel in Sicht

Die FDP kam der Hochrechnung zufolge auf 6,1 Prozent in NRW (2019: 6,7) und das neu gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) auf Anhieb auf 4,1 Prozent. Bundesweit übertraf es sogar die FDP. Wenn sich die Zahlen bestätigen, wäre der frühere Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel, der von der SPD zum BSW gewechselt war, im neuen Europaparlament.

FDP stabil

Der FDP-Landespartei und Fraktionschef Henning Höne kommentierte auf der Plattform X, auch wenn seine Partei, sich aktuell nicht auf dem Niveau bewege, das sie sich wünsche, sei es insgesamt ein gutes Ergebnis für die FDP. «Unter sehr schwierigen Bedingungen haben wir uns stabilisiert und in etwa so viele Wählerstimmen geholt wie vor fünf Jahren.» Mit der aus Düsseldorf stammenden Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und dem Generalsekretär der Landespartei Moritz Körner werde die FDP künftig zwei starke Persönlichkeiten im EU-Parlament haben.

Infratest Dimap schätzte laut WDR-Zahlen von 21 Uhr die Wahlbeteiligung in NRW am Sonntagabend auf 63 Prozent (2019: 61,4).

Quelle: dpa