Der Bauunternehmer Hermann Tecklenburg sitzt auf einer Tribüne und zeigt aufs Spielfeld., © Bernd Thissen/dpa

Insolvenzverfahren für Baufirma Tecklenburg eröffnet

Im Fall der angeschlagenen Baufirma Tecklenburg aus Straelen hat das Amtsgericht Kleve das Insolvenzverfahren eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Markus Kier bestimmt, wie das Gericht am Dienstag auf dem Internetportal der Insolvenzgerichte mitteilte.

Das Unternehmen hatte Anfang Januar Insolvenz beantragt und dies unter anderem mit gestiegenen Zinsen und Materialkosten begründet. Firmenchef ist Hermann Tecklenburg (75), Ehemann der früheren Fußball-Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Anfang Januar beschäftigte die aus vier Firmen bestehende Unternehmensgruppe Tecklenburg rund 140 Menschen. Seitdem haben nach Angaben des Sprechers des Insolvenzverwalters rund 50 von sich aus gekündigt. Das Verfahren wurde zunächst nur für die Tecklenburg GmbH eröffnet, bei der einst 92 Menschen arbeiteten. 32 wurde jetzt insolvenzbedingt gekündigt, wie der Sprecher am Dienstag weiter mitteilte. Die anderen drei Firmen befänden sich weiterhin in einem vorläufigen Insolvenzverfahren.

Verwalter: Projekte in Düsseldorf und Ratingen werden fertig

Es stehe fest, dass Immobilienprojekte in Düsseldorf und Ratingen mit Unterstützung der jeweils finanzierenden Bank fertiggestellt würden, hieß es. In Düsseldorf laufe der Vertrieb von Eigentumswohnungen seit der Einleitung des Insolvenzverfahrens erfolgreich weiter. Ein Bauprojekt in Straelen, ebenfalls mit Eigentumswohnungen, sei bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren fertiggestellt und vermarktet worden.

Für die weiteren Projekte sind den Angaben zufolge die Gespräche mit den Beteiligten noch nicht abgeschlossen. «Deren Fertigstellung ist weiterhin im Klärungsprozess, so dass derzeit noch keine Aussage dazu getroffen werden kann», erklärte der Insolvenzverwalter. Die Gläubigerversammlung wurde vom Gericht für den 22. Mai angesetzt.

Auch Antrag auf Privatinsolvenz

Hermann Tecklenburg habe auch Antrag auf Eröffnung eines Privatinsolvenzverfahrens gestellt, wie der Insolvenzverwalter weiter mitteilte. «Dieses läuft jedoch unabhängig von den anderen Verfahren.» Kier ist auch dabei vorläufiger Insolvenzverwalter.

Tecklenburg war auch Vereinsvorsitzender des Fußball-Oberligisten SV Straelen, seine Firma war Hauptsponsor des Vereins. Die Staatsanwaltschaft Kleve hatte im Oktober 2023 Anklage gegen Tecklenburg und weitere Verantwortlichen des Vereins erhoben. Sie sollen über mehrere Jahre Beiträge an die Sozialversicherung und die Berufsgenossenschaft nicht abgeführt haben. Im Raum steht eine hohe sechsstellige Summe. Einen Termin für die Hauptverhandlung gibt es nach Angaben einer Sprecherin des Landgerichts Kleve vom Dienstag noch nicht. Tecklenburg war zwei Wochen nach Insolvenzanmeldung als Vereinsvorsitzender zurückgetreten.

Die Insolvenz hatte im Januar schwere Auswirkungen auf den Verein. Er meldete nach Wegfall der Sponsoring-Einnahmen seine erste Fußballmannschaft aus der NRW-Oberliga ab und bot allen Vertragsspielern Aufhebungsverträge an. Ende Februar meldete der Verein selbst Insolvenz an.

Quelle: dpa