Christian Keller sitzt bei einem Zukunftskongress in Aachen auf der Bühne., © Henning Kaiser/dpa

1. FC Köln verharrt im Abstiegskampf: Sportchef unzufrieden

Steffen Baumgarts Lächeln wirkte sehr gequält. «Wir haben nichts zu feiern», entgegnete der Trainer des 1. FC Köln entschieden nach der lieb gemeinten Verabschiedung durch den VfL Bochum. Angesichts des offiziellen Karnevalsstarts im Rheinland am Samstag – dem 11.11. – war Baumgart mit den Worten «viel Spaß beim Feiern» verabschiedet worden. Doch der FC-Coach wusste genau, wie arg seine Probleme derzeit sind und wie groß das Ausmaß seiner Arbeit ist.

«Wir sollten drei Kreuze machen, dass wir den Punkt mitgenommen haben. Das Einzige, was am Ende zählt, ist, dass Bochum nicht weiter weggekommen ist», sagte Baumgart nach dem überaus glücklichen 1:1 (0:1) beim direkten Konkurrenten, der sich immerhin nicht weiter absetzen konnte und drei Punkte besser dasteht. «Verdient oder nicht, das zählt für uns nicht mehr.» Baumgart nimmt aktuell, was er kriegen kann. Auch, wenn es eigentlich viel zu wenig ist.

Da sein Team gegen die direkte Konkurrenz aus Augsburg und Bochum zweimal jeweils nur 1:1 spielte, bleibt der Europapokal-Teilnehmer der Vorsaison nach elf Spieltagen am Tabellenende. «Ich wäre mit sechs Punkten zufrieden», sagte der in Bochum stärkste Kölner, Torhüter Marvin Schwäbe, ehrlich. «Natürlich haben wir uns mehr erhofft.» Immerhin habe sein Team zweimal «nicht verloren – das ist auch in Ordnung».

Sowohl Trainer und Spieler sind derzeit bemüht, überall positive Aspekte zu wähnen: immerhin gepunktet zu haben, Einsatz und Willen gezeigt zu haben. Viel ist das nicht. Zumal die negativen Eindrücke überwogen. Spielerisch blieb der FC wieder einmal in dieser Saison hinter den Leistungen der vergangenen beiden Spielzeiten zurück. Angesichts der etlichen klaren Bochumer Torchancen hätte Köln das Spiel ohne den starken Schwäbe wohl locker 1:4 verloren. Auch offensiv fehlte einiges.

Sportdirektor Christian Keller sprach die Defizite auch offen an. «Es gibt heute sehr, sehr viel, was wir aufarbeiten müssen», sagte Keller im ZDF-«Sportstudio» und monierte allgemein «sehr schwankende Leistungen» in dieser Saison. «Wir sind in beiden Durchgängen überrumpelt worden», monierte Keller.

An anderen Orten würde es nach diesen Aussagen und nur einem Sieg aus bislang elf Spielen und nur sechs Punkten wohl schnell ungemütlich für den Trainer. Doch der genießt noch viel Kredit. «Wenn ich von etwas überzeugt bin, ändere ich es nicht. Und wir sind sehr überzeugt von Steffen Baumgart und seinem Trainerteam», bekräftigte Keller am Sonntag im Sport1-«Doppelpass» und sagte im Hinblick auf den Kampf gegen den Abstieg: «Wir schaffen das mit Steffen Baumgart.» Für den wiederum kommt auch ein Rücktritt wie kürzlich von Bo Svensson in Mainz nicht infrage: «Ich bin nicht mal in der Nähe eines Zurücktretens oder Aufgebens.»

Keller legte indes die Verantwortung für den Klassenverbleib in Baumgarts Aufgabenbereich. «Wir sind klar der Meinung, dass dieser Kader das Zeug hat, am Schluss auf einem Nichtabstiegsplatz zu stehen, und ich gehe schon auch davon aus, dass er es auch tun wird», sagte der Sportchef.

In der anstehenden Länderspielpause gibt es viel zu tun. Allerdings wartet danach alles andere als ein Aufbaugegner. In knapp zwei Wochen kommt Rekordmeister Bayern München. «Die Bayern in dieser Form sind für uns eine Nummer zu groß», bekannte Baumgart bei Sky.