Kernkraft-Gegner kritisieren Atomgeschäfte mit Russland

Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen haben vor dem Treffen der G7-Außenminister in Münster auf ein Ende aller Uran- und Atomgeschäfte mit Russland gedrängt. Die Bundesregierung könne und müsse hier mit gutem Beispiel vorangehen, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief an Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne).

Der russische Staatskonzern Rosatom liefere weiterhin rund 20 Prozent des in der EU verbrauchten Urans, schrieben die Aktivisten. Besonders die Geschäfte zwischen Deutschland, Frankreich und Russland sehen sie kritisch: Im September war erstmals seit Beginn des Angriffs auf die Ukraine wieder russisches Uran an eine Brennelementefabrik in Lingen im Emsland geliefert worden, die dem französischen Staatskonzern Framatome gehört. Ein Sprecher des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung hatte auf Genehmigungen dafür aus dem Jahr 2021 verwiesen.

Rosatom ist auch maßgeblich am Betrieb des von russischen Truppen besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja beteiligt. «Framatome macht in Lingen also – ausgestattet mit Genehmigungen deutscher Behörden und Ministerien – Geschäfte mit dem Besatzer von Saporischschja. Das halten wir für absolut inakzeptabel», heißt es in dem offenen Brief, in dem auch auf weitere Verflechtungen zwischen Russland und EU-Staaten bei Atomgeschäften hingewiesen wird.

«Die Bundesregierung muss die russische Atomwirtschaft endlich auf die Sanktionsliste setzen. Die FDP-Minister, die an der Atomkraft festhalten wollen, verkennen, dass dies die Abhängigkeit von Russland nur vergrößern würde», sagte Helge Bauer von der Organisation «.ausgestrahlt». Es könne nicht sein, dass Uranfabriken und AKW-Betreiber in Deutschland mit ihren Einkäufen weiterhin unbehelligt die russische Kriegskasse füllten.