Wasser fließt im Nationalpark Eifel durch den Wüstebach., © Oliver Berg/dpa

Kreis Kleve bewirbt sich vorerst nicht um Nationalpark

Der Kreis Kleve am Niederrhein wird sich erstmal nicht als Standort für einen zweiten Nationalpark in Nordrhein-Westfalen bewerben. Der Kreistag habe am Dienstagabend einen Vorstoß von SPD und Grünen für eine Nationalpark-Bewerbung abgelehnt, sagte eine Sprecherin. Unter anderem CDU und FDP stimmten dagegen. Damit sei klar, dass der Kreis Kleve derzeit keine Bewerbung beim Land einreichen werde, erläuterte die Sprecherin. Endgültig vom Tisch ist das Thema damit aber nicht: Eine Initiative von Bürgern und Naturschutzverbänden hat bereits angekündigt, ein Bürgerbegehren für einen Nationalpark zu starten.

Wenn dabei 12.000 Unterschriften zusammenkommen, müsste sich der Kreistag noch einmal mit dem Thema beschäftigen. Sollte das Kommunalparlament erneut gegen eine Bewerbung stimmen, hätten die Wählerinnen und Wähler im Kreis Kleve bei einem Bürgerentscheid das letzte Wort.

In einem Nationalpark genießt die Natur den größtmöglichen Schutz. In Nordrhein-Westfalen gibt es bislang einen Nationalpark in der Eifel. Naturschutzminister Oliver Krischer (Grüne) argumentiert, ein zweiter Nationalpark sei «eine große Chance für den Naturschutz in NRW». Er werde benötigt, um die Biodiversitätsziele zu erreichen.

Das Ministerium hat eine Liste mit sechs Regionen veröffentlicht, die es für besonders geeignet hält – darunter der Reichswald in Kleve. Die Kreise müssen aber mitziehen und einen Antrag auf Ausweisung von Gebieten zum Nationalpark stellen. In vielen der Regionen gibt es massive Vorbehalte gegen die Pläne. Kritiker bemängeln, dass durch die Ausweisung eines Nationalparks riesige Waldflächen für die Holzgewinnung oder für den Bau von Windrädern wegfallen.

Der erste Nationalpark Nordrhein-Westfalens in der Eifel hat sich in den 20 Jahren seines Bestehens zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Für Besucher werden kostenlose Touren angeboten, das Wander- und Radwegenetz ist 240 Kilometer lang. Einer Untersuchung zufolge kamen zuletzt 1,4 Millionen Besucher pro Jahr – dreimal so viel wie bei der Gründung. Das habe der Region zuletzt einen Jahresumsatz von 76 Millionen Euro gebracht, heißt es in einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität für Bodenkultur Wien.

Quelle: dpa