Der einstige Soldat Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen) will die wilde Heide von Jütland bezwingen (Archivbild)., © Henrik Ohsten/Zentropa/dpa

Mads Mikkelsen in dänischem Western «King’s Land»

Fernab Hollywoods darf Mads Mikkelsen wieder einmal beweisen, dass mehr in ihm steckt als ein Bösewicht. Diesen verkörpert er häufig in großen Produktionen, etwa im Bond-Film «Casino Royale» oder vergangenes Jahr im neuen «Indiana Jones». Jetzt ist der 58-Jährige im Historiendrama «King’s Land» zu sehen. Er spielt einen sturen dänischen Kriegsveteranen, der gegen Widerstände kämpfen muss.

Mikkelsens facettenreiches Spiel steht ganz im Fokus der Geschichte. Wer Fan seiner Schauspielkünste ist, wird Freude an dem Film von Nikolaj Arcel haben. Das gilt auch für alle, die weitwinklige Naturbilder mögen. In monumentalen Aufnahmen werden karge Landschaften im Westen Dänemarks, in Jütland, inszeniert. In einigen Szenen spricht Mikkelsen außerdem Deutsch.

Ein Land fruchtbar machen – mit der Geheimwaffe Kartoffeln

Der Film spielt im 18. Jahrhundert. Der Soldat Ludvig Kahlen (Mikkelsen) will die karge Heidelandschaft in Jütland fruchtbar machen. Viele haben das im Auftrag des Königs schon versucht, niemandem ist es gelungen. «Es gibt nur Heidekraut, Steine und Sand. Nichts kann dort wachsen», wird Kahlen erklärt, als er seinen Plan äußert. Er lässt sich davon nicht abbringen. Kahlens Forderung: Wenn er es schafft, will er einen Adelstitel.

Doch vor Ort trifft er auf den skrupellosen Gutsherren Frederik De Schinkel, der Besitzansprüche auf das Land erhebt und mit niedersten Mitteln versucht, Kahlen wieder zu vertreiben. Kahlens Willen aber ist unerschütterlich, und so stellt er sich sowohl dem intriganten Gutsherren als auch der unerbittlichen Natur entgegen.

Ein kleines Team ist an Kahlens Seite – dazu gehören der ortsansässige Pfarrer, eine Magd, die vor De Schinkel geflüchtet ist, und ein junges Sinti-Mädchen, das aus seinem Zuhause getürmt ist. Während sie die Felder vorbereiten, bunkert Kahlen im Keller seine zu dieser Zeit in Dänemark noch unbekannte Geheimwaffe, mit der er das Land fruchtbar machen will – Kartoffeln.

Ein dänischer Western

«King’s Land» ist eine Art dänischer Western. Mikkelsen spielt eine Variante des einsamen Cowboys, der gegen alle Widerstände Land kultivieren will. Die im Film oft vulgär erscheinende Zivilisation wird der überwältigenden, rauen Wildnis entgegengestellt. Doch der Kampf von Gut gegen Böse ist hier etwas komplexer. Zwar gibt es mit De Schinkel einen lupenreinen, garstigen Bösewicht.

Doch Regisseur Arcel vermeidet es, Kahlen als Helden darzustellen, was das Ganze spannender macht. Seinem Ziel, das Land zu erobern, ordnet Kahlen alles andere unter. Er nimmt sogar in Kauf, geliebte Menschen dafür zu verlieren.

Dahinter steckt wohl eine Art Geburtstrauma, das er mit seinem gesellschaftlichen Aufstieg aufarbeiten will. Kahlen wurde als unehelicher Sohn einer Magd und eines Adligen geboren. Dieser erkannte ihn nicht an. Im Krieg schaffte Kahlen es gegen alle Widerstände bis zum Rang des Hauptmanns.

Mads Mikkelsen: «Es ist herzzerreißend»

«Er ist ein Mann seiner Zeit, ein Selfmademan», beschreibt Mikkelsen selbst den Protagonisten. «So weit zu kommen, wie er es geschafft hat, ohne Geld und ohne eine adlige Person zu sein, ist Wahnsinn», sagte er der dpa beim Filmfest in Venedig, wo das Drama Premiere feierte. «Das ist ein Weltrekord. Der nächste Schritt ist unmöglich. Sein Ziel ist es also, dorthin zu gelangen. Sein ganzes Leben lang war das sein Ziel. Er wollte Teil von etwas sein, das er tief in seinem Inneren hasst. Er hasst den Adel, aber er möchte sich ihm anschließen. Ich denke, das ist ein starkes Dilemma für eine Person.»

Mikkelsen macht diesen moralisch ambivalenten Charakter auf der Leinwand lebendig. Doch trotz seiner Besessenheit macht Kahlen im Laufe des Films eine Wandlung durch.

Ob der 58-Jährige etwas von der Sturheit seines Protagonisten in sich selbst erkennt? «Ja, das kann ich», sagt Mikkelsen. Und ergänzt: «Offensichtlich bin ich nicht so wahnsinnig wie er.» Leute müssten ihm nicht ähnlich sein, damit er sich in sie hineinversetzen könne. «Aber ich sehe in dem Film Menschen, die mit etwas zu kämpfen haben, das es auch heute noch gibt, oder mit dem ich mich ein wenig identifizieren kann.»

Liegt da also der Grund, warum der Däne immer wieder aus Hollywood zu kleineren Projekten wie diesem zurückkehrt? Als er das Drehbuch gelesen habe, habe er gedacht: «Das ist wunderschön«, sagte Mikkelsen. «Es ist herzzerreißend. Es ist auch süß. Und am wichtigsten ist, dass es echte Menschen in einem epischen Drama sind. Es sind Leute dabei, mit denen ich mich irgendwie identifizieren kann, mit allen von ihnen. Und das machte es einfach zu einer perfekten Sache, zu der ich Ja sagen konnte.»

Quelle: dpa