Ein Rettungshubschrauber brachte ein schwer verletztes Mädchen in eine Klinik. Sie war auf einen Waggon geklettert und hatte an die Oberleitung gefasst., © Alex Talash/dpa

Mädchen nach Stromschlag an Bahnhof in kritischem Zustand

Das beim Klettern auf einen Güterzug in Schwerte durch einen Stromschlag schwer verletzte Mädchen befindet sich nach Polizeiangaben in einem sehr kritischen Zustand. Nach dem schrecklichen Ereignis wolle man in den kommenden Tagen aber sensibel mit Angaben zum Gesundheitszustand der 13-Jährigen umgehen, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei.

Erst in drei bis vier Tagen sei vermutlich klar, wie sich ihr Zustand entwickelt. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei sei das Mädchen für Videoaufnahmen auf den Waggon geklettert. Dabei habe es an die Oberleitung gegriffen und einen Stromschlag sowie entsprechend schwere Verbrennungen erlitten, sagte die Polizistin. 

Rettungshubschrauber im Einsatz

Außerdem sei die 13-Jährige mehrere Meter durch die Luft und schließlich zu Boden geschleudert worden. Am Montag hatte die Polizei das Alter des Mädchens noch mit 12 Jahren angegeben.

Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn sei auf die Geschehnisse aufmerksam geworden und habe die Rettungskette eingeleitet. Ein 15-jähriger Begleiter des Mädchens habe Erste Hilfe geleistet. Mit einem Rettungshubschrauber flogen Einsatzkräfte das Kind am Montag in eine Spezialklinik.

Bereits mehrfach schwere Strom-Unfälle

Nach bisherigen Erkenntnissen war das Mädchen gemeinsam mit fünf weiteren Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren auf dem Güterbahnhof unterwegs. Die weiteren Jugendlichen hätten stark unter Schock gestanden und seien von der Feuerwehr psychologisch betreut worden, teilte die Bundespolizei mit. 

In der Vergangenheit gab es am Schwerter Bahnhof bereits mehrfach schwere Strom-Unfälle. Im Februar 2024 verletzte sich ein 18-Jähriger tödlich, im April 2023 starb ein 13-Jähriger nach einem Stromschlag. Beide waren auf Güterzug geklettert.

Warnbanner an der Anlage 

Nach den Unfällen brachte die Deutsche Bahn zusammen mit der Feuerwehr, Bundespolizei sowie der Stadt erst Mitte Mai dieses Jahres ein Warnbanner auf dem Bahnhofsgelände an. Mit Schrift und Symbolen warnt dies an einem Zugang zu den Gleisen vor der Lebensgefahr beim Betreten der Gleisanlage. 

Nach WDR-Recherchen prüft die Bundespolizei, ob die Hinweisschilder vor Ort ausreichend sind und ob diese eventuell auch durch englische Hinweise ergänzt werden. Bei den Jugendlichen, die beim aktuellen Unfall vor Ort waren, handelt es sich um ukrainische Staatsbürger. 

Mehr Prävention

Die Warnhinweise in alle Sprachen zu übersetzen sei schwierig und kaum umsetzbar, sagte eine Polizeisprecherin auf dpa-Anfrage. Allerdings werde man die englische Übersetzung sowie weitere mögliche Schutzmaßnahmen an der betreffenden Anlage intern prüfen.

Dazu gehöre auch eine verstärkte Prävention. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn werde man prüfen, etwa weitere Termine an Schulen abzuhalten, um dabei für die Gefahren an Bahnanlagen zu sensibilisieren, sagte die Sprecherin. Bereits zuletzt habe es solche Termine zur Aufklärung für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte gegeben. 

Quelle: dpa