Er heißt Mario Girotti, als Terence Hill wurde er berühmt., © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Nobody wird 85

Diese Geschichte könnte auch von Charlie Rivers handeln oder von Pete Mount. Oder so ähnlich. So genau weiß das keiner mehr, weil die Liste, aus der sich der italienische Schauspieler Mario Girotti 1967 einen Künstlernamen fürs internationale Geschäft aussuchen musste, verloren gegangen ist.

Jedenfalls standen darauf etwa 20 Ideen. Girotti entschied sich nach einer Nacht Schlafen für Terence Hill. Das war, blickt man auf die folgende Karriere zurück, nicht die schlechteste Entscheidung. Am Freitag (29.3.), nach enormen Erfolgen mit Klamauk-und-Haudrauf-Filmen vor allem in Deutschland, wird er 85 Jahre alt.

Dass er sich damals für Terence Hill entschied, erläutert der gebürtige Venezianer, Sohn eines Italieners, mit seiner Familiengeschichte: Angeblich suchte er sich den Namen aus, weil seine damals schon verstorbene deutsche Mutter Hildegard Thieme hieß – also mit den Initialen HT, andersherum TH. Den Großteil der ersten Lebensjahre hatte Girotti/Hill in Lommatzsch verbracht, einem Städtchen in der Nähe von Dresden. Einiges Deutsch ist ihm bis heute geblieben. Seit zwei Jahren hat er sogar einen deutschen Pass.

Neuer Name, neues Glück

Mit dem neuen Pseudonym für den Italo-Western «Gott vergibt … Django nie!» wurde damals auch so ziemlich alles anders. Im selben Jahr heiratete er auch (die Deutsch-Amerikanerin Lori Zwicklbauer, der Name ist echt), die Karriere nahm so richtig Fahrt auf. Und der drahtige Mann mit den stahlblauen Augen hatte zum ersten Mal einen etwas korpulenteren Kollegen mit Bart an der Seite, ebenfalls aus Italien, der eigentlich Carlo Pedersoli hieß, nun aber: Bud Spencer. Das war der Auftakt einer lebenslangen Zusammenarbeit und Freundschaft auch.

Dabei hatte Girotti seinerzeit schon ein beachtliches Pensum hinter sich. Die ersten Erfahrungen vor der Kamera machte er mit zwölf. In den 50/60ern, Boom-Jahren des italienischen Kinos, drehte er Filme am Fließband. Massenware meist, aber auch in Luchino Viscontis Meisterwerk «Der Leopard» spielte er mit. In Deutschland war er durch Nebenrollen in verschiedenen Karl-May-Verfilmungen bekannt: Als Leutnant Robert Merril durfte er in «Winnetou II» dem Apachen die Hand schütteln und die Häuptlingstochter Ribanna heiraten.

Zwei Hände, vier Fäuste

Mit Bud Spencer war es mit Romanzen dann vorbei. Frauen spielten darin nur Nebenrollen. Gleich die erste Szene, die das Duo drehte, war eine Schlägerei. Und danach ging es munter weiter. Die Filme hießen «Die rechte und die linke Hand des Teufels», «Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle» oder «Vier Fäuste für ein Halleluja», doch die Story war eigentlich immer schlicht und gleich: Schönling und Koloss raufen sich zusammen, verprügeln Schurken und klopfen Sprüche wie «Geh mir aus der Sonne», «Ich hau Dir ne Delle in die Gewürzgurke» oder «Ohne Heu kann das beste Pferd nicht furzen».

Aus heutiger Sicht ist das nicht mehr ganz so lustig, aber damals waren Spencer & Hill Garanten für riesigen kommerziellen Erfolg. Die «Vier Fäuste» lockten zwölf Millionen Besucher in die bundesdeutschen Kinos. In der DDR lief der Film übrigens unter dem Titel: «Der Kleine und der müde Joe». Die beiden waren Partner und Freunde ein halbes Jahrhundert lang, bis Spencer 2016 mit 86 Jahren starb. «Wenn Bud und ich zusammen drehten, machte es einfach klick, und wir waren lustig», erinnerte sich Hill. Vom Tod des Anderen erfuhr er bei einem Dreh in der spanischen Wüste – dort, wo alles begonnen hatte.

Erfolg auch solo

Im Unterschied zu Spencer hatte Hill allerdings auch solo Erfolg. Als sein bester Film gilt vielen der Spaghetti-Western «Mein Name ist Nobody», mit der Hollywood-Legende Henry Fonda an seiner Seite, der dafür zum letzten Mal einen Colt in die Hand nahm. Regie führte Kino-Großmeister Sergio Leone, die Musik kam von Ennio Morricone. Später versuchte sich Hill auch mehrfach selbst als Regisseur, zum Beispiel mit einer Neuauflage des Priester-gegen-Bürgermeister-Klassikers «Don Camillo und Peppone». Den katholischen Geistlichen spielte er auch. Die Kritiken waren mäßig.

Aus dem Wirken als Kinopfarrer entwickelt sich jedoch eine in Italien überaus erfolgreiche Fernsehserie, in der er als Pater «Don Matteo» Kriminalfälle löste. Erst nach 250 Folgen machte er damit vor drei Jahren Schluss. Auch die TV-Serie «Die Bergpolizei – Ganz nah am Himmel», in der er als Bergförster Pietro Verbrecher in den Dolomiten jagte, ist inzwischen Geschichte.

Nach vielen Jahren in seiner Wahlheimat USA lebt Hill heute die meiste Zeit in Umbrien, wo die Familie seines Vaters herkommt. Im Städtchen Amelia betreibt er eine Eisdiele, die Gelateria Girotti. In Sachsen, der Heimat der Mutter, gibt es inzwischen davon eine Filiale. Die Eisdiele in Dresden heißt selbstverständlich aber anders: Terence Hill Eis Saloon.

Quelle: dpa