Ein Mitarbeiter des Unternehmens "50Hertz" zeigt in Magdeburg ein aufgeschnittenes Stück eines Erdkabels der Leitung "SuedOstLink"., © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Nordrhein-Westfalen will keine Abkehr von Erdkabel-Plänen

In der Debatte um die Kosten des Stromnetz-Ausbaus lehnt die nordrhein-westfälische Landesregierung eine Umplanung von Erdkabel-Projekten auf Freileitungen ab. Man verfolge die aktuelle Diskussion mit großer Sorge, teilte das Wirtschaftsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa mit. Erdkabel sind zwar deutlich teurer als Freileitungen, genießen seit 2016 aber einen gesetzlichen Vorrang.

«Gerade in einem dicht besiedelten Industrieland wie Nordrhein-Westfalen, in dem viele Flächenkonkurrenzen auf engem Raum auftreten, tragen Erdkabel massiv zur Akzeptanz bei.» Bei einer erneuten Umplanung bestünde die Gefahr, dass viel Akzeptanz vor Ort verloren gehe und sich die gerade beschleunigten Genehmigungsverfahren über wesentlich höhere Zahlen von Einwendern wieder verzögerten. Der Ausbau des Stromnetzes müsse jedoch dringend vorankommen.

Für die Energiewende müssen bundesweit tausende Kilometer neue Überland-Stromleitungen verlegt werden. Die «Stromautobahnen» sollen vor allem Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren. Ein erheblicher Anteil davon sollen Erdkabel sein – die aber sind wesentlich teurer als Freileitungen. Die Kosten über die Netzentgelte werden auf alle Stromkunden umgelegt. Einige Länder sprechen sich unter Verweis auf die Kosten für einen Kurswechsel aus, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Nicht so Nordrhein-Westfalen.

Ministerium: Verzögerungsgefahr «mindestens fünf Jahre»

Ein erneuter gesetzlicher Wechsel von Erdkabeln auf Freileitungen würde bei den jüngst bestätigten neuen Vorhaben zudem dazu führen, dass für gleich drei neue Leitungen neue sogenannte Präferenzräume nunmehr für Freileitungstrassen gesucht werden müssten, so das Ministerium weiter. «Dies würde, zusammen mit einem notwendigen Gesetzgebungsverfahren, zu erheblichen Verzögerungen von mindestens rund einem Jahr führen.»

Auch spiele der Vogelschutz bei Freileitungen eine größere Rolle, was zu mindestens einem weiteren Jahr Zeitverlust bei der Erstellung von Antragsunterlagen führen dürfte. Das Planfeststellungsverfahren würde darüber hinaus drei Jahre länger dauern. In Summe sieht das Ministerium eine Verzögerungsgefahr für den Netzausbau von insgesamt «mindestens fünf Jahren».

Quelle: dpa