Ausblick von der Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen., © Oliver Berg/dpa

Politologe Marschall: AfD hat sich im Ruhrgebiet verwurzelt

Die AfD hat sich nach Ansicht des Düsseldorfer Politologen Stefan Marschall inzwischen im Ruhrgebiet, aber auch in ländlichen Regionen verwurzelt. Das zeigten die guten Ergebnisse der Rechtspopulisten bei der Europawahl in Städten wie Gelsenkirchen, Herne, Bottrop oder Oberhausen oder auch im Märkischen Kreis, sagte der Politik-Professor an der Heinrich-Heine-Universität am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Das beste Ergebnis in NRW erzielte die AfD mit 21,7 Prozent in Gelsenkirchen.

Die Wahl zeige, dass das Ruhrgebiet als einstige «Herzkammer» der SPD nicht mehr funktioniere, sagte Marschall. Die Sozialdemokraten kamen laut vorläufigem Ergebnis landesweit in Kreisen und kreisfreien Städten nur noch in Herne auf Platz eins. In den Stahl- und einstigen Kohlestädten Duisburg, Gelsenkirchen, Bottrop und Oberhausen löste die CDU die SPD auf dem Spitzenplatz ab. 

Nach Ansicht Marschalls hat die SPD ihren Bezug zur Wählerschaft teilweise verloren. «Vielleicht auch deswegen, weil es unklar ist, wer jetzt für die SPD in NRW eigentlich steht.» Der Partei sei es nicht gelungen, dieses Problem durch personelle Neuaufstellungen zu beheben. Inzwischen fahre auch die AfD Erfolge im Ruhrgebiet ein und geriere sich dort als Partei für die Arbeiterinnen und Arbeiter, also der eigentlich klassischen SPD-Klientel. Die SPD sei in einer «Zangensituation» auch gegenüber CDU und Grünen. 

Das Führungspersonal der Sozialdemokraten in NRW sei «nicht bekannt oder nicht hinreichend bekannt», sagte Marschall. Es gebe «ein ganz großes Defizit», mit Personen oder Themen die Menschen zu erreichen. «Die SPD müsste sich personell neu erfinden.» Die NRW-SPD als stärkster Landesverband hatte sich gerade erst nach der Landtagswahl 2022 personell an der Spitze von Partei und Fraktion neu aufgestellt. 

Die CDU kann sich dagegen laut Marschall nach ihrem Wahlsieg in NRW bestärkt fühlen. In der schwarz-grünen Landesregierung seien die hohen Verluste des Grünen-Koalitionspartners zwar eine «schwierige Konstellation». Die Grünen hätten mit ihren Verlusten um zehn Prozentpunkte eine «Klatsche» erlitten. Er glaube aber nicht, dass das zu Spannungen auf Landesebene führen werde. 

Quelle: dpa