Das Strafgesetzbuch und Akten liegen in einem Gericht auf dem Tisch., © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

Polizist überfahren: Schockierende Bilder zum Prozessauftakt

Es sollte eine Verkehrskontrolle werden, doch dann ist die Situation völlig eskaliert: Vor rund sechs Monaten hat ein Autofahrer in Essen einen Polizisten überfahren und rund 25 Meter mitgeschleift. Die schockierenden Szenen wurden von einer Überwachungskamera gefilmt. Seit Montag muss sich der mutmaßliche Täter in Essen vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet auf Mordversuch. Zum Prozessauftakt äußerte sich der 40-jährige Deutsche noch nicht zu den Vorwürfen. Das sollte nach Angaben seines Verteidigers erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Es war der 26. Juni vergangenen Jahres. Der Angeklagte war einer Streifenwagenbesatzung aufgefallen, weil er angeblich nicht angeschnallt war. Alle Versuche, ihn zum Anhalten zu bewegen, schlugen fehl. Was folgte, war eine rasante Verfolgungsjagd durch enge Wohnstraßen, über Bürgersteige, Grünstreifen und eine rote Ampel. Dabei wurden mehrere Autos und Verkehrszeichen beschädigt, ein Fußgänger wurde laut Anklage in einem Abstand von rund 80 Zentimetern passiert.

Rund vier Minuten lang ist das Video der Verfolgungsfahrt, das von einer Dashcam im Streifenwagen aufgezeichnet und im Prozess vorgespielt wurde. Am Ende war der Fahrer in eine Sackgasse eingebogen. Die letzten Szenen zeigen, wie einer der Beamten auf das Fahrzeug des Flüchtenden zuläuft. Dann gibt der andere Fahrer Gas. Der 31-Jährige wird auf die Motorhaube geschleudert. Danach bricht das Video ab.

Laut Anklage setzte der 40-Jährige sein Auto danach ein Stück zurück, so dass der Polizist auf die Straße fiel. Dann soll er ihn mit den Vorderrädern überrollt haben. Der Körper des Beamten wurde unter dem Fahrzeug eingeklemmt, mitgeschleift und schließlich auch noch vom rechten Hinterrad überrollt. Das ist auf dem Video der Überwachungskamera zu erkennen, das zum Prozessauftakt ebenfalls vorgespielt wurde.

Die Folgen waren dramatisch. Laut Anklage erlitt der Beamte akut lebensgefährliche Verletzungen, darunter Hirnblutungen und einen Leberriss. Schlüsselbein, Schulterblatt und Rippen waren gebrochen. Die Lunge wurde verletzt, es soll zu inneren Blutungen gekommen sein.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte damals nicht nur nicht angeschnallt, sondern auch ohne Führerschein und mit einem unversicherten Auto und einem ungültigen Kennzeichen unterwegs war. Außerdem wurde bei ihm angeblich Amphetamin gefunden – in der Kleidung und in der Wohnung.

Das Essener Schwurgericht hat für den Prozess zunächst noch fünf Verhandlungstage bis Mitte März vorgesehen.

Quelle: dpa