Mikrofone und Kopfhörer auf einem Tisch in einem Gerichtssaal., © Jonas Walzberg/dpa/Symbolbild

Schüsse mit Kalaschnikow: Angeklagter in Handschellen

Die Schüsse fielen mitten in der Nacht. Vor rund sechs Monaten ist in Hattingen (Kreis Ennepe-Ruhr) mit einer Kalaschnikow auf einen Zeitungsboten geschossen worden. Der damals 33-Jährige wurde an Hand und Arm getroffen. Seit Mittwoch steht der mutmaßliche Täter in Essen vor Gericht. Der Vorwurf: Mordversuch und Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Zum Prozessauftakt hat sich der 32-jährige Deutsche noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte in der Nacht auf den 11. März dieses Jahres auf einer Wiese Schießübungen gemacht hat. Laut Anklage fühlte er sich von dem Zeitungsboten entdeckt. Deshalb habe er beschlossen, den Mann zu töten.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hat er sein Sturmgewehr genommen und mindestens acht Mal auf das Auto des Zeitungsboten geschossen. Scheiben gingen zu Bruch, die Kugeln schlugen im Innenraum des Autos und im Rückspiegel ein. Der Zeitungsbote geriet in «Panik», so die Staatsanwältin. «Er legte unmittelbar den Rückwärtsgang ein. Dabei duckte er sich und hielt nur die linke Hand auf dem Lenkrad.»

Einer der Schüsse war damals auch in die Fassade eines rund 55 Meter weit entfernt stehenden Hauses eingeschlagen. Die dortige Bewohnerin war wach geworden und hatte sich laut Anklage im Wohnzimmer auf ihre Couch gestellt, um einen besseren Blick nach draußen zu bekommen. Die Kugel soll 30 bis 40 Zentimeter neben ihrem Kopf eingeschlagen sein.

Der zuletzt in Oberhausen wohnende Angeklagte war nach der Tat zu seiner Freundin nach Berlin geflüchtet, wo er am nächsten Tag festgenommen werden konnte. Auch die Kalaschnikow wurde sichergestellt. Woher sie stammt ist laut Staatsanwaltschaft unklar. Die Ermittler sollen dem 32-Jährigen durch die Auswertung von Telekommunikationsdaten auf die Spur gekommen sein.

Im Prozess droht dem Angeklagten zusätzlich zu einer Verurteilung wegen Mordversuchs und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz auch die Anordnung der anschließenden und unbefristeten Sicherungsverwahrung – zum Schutz der Allgemeinheit. Der 32-Jährige gilt als extrem gefährlich. Er soll nach Angaben des Gerichts bereits mehrere Jahre im Gefängnis gesessen haben – auch wegen Gewalttaten.

Das Essener Schwurgericht hat für den Prozess noch sieben Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll voraussichtlich am 20. Dezember gesprochen werden.