Umweltminister: Mangelnde Kanal-Prüfungen bergen Risiken

Die Entschärfung der Kontrollpflichten für private Abwasserleitungen hat finanzielle Vorteile, aber auch Risiken gebracht. Darauf hat die nordrhein-westfälische Landesregierung in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage aus der FDP-Landtagsfraktion hingewiesen.

Infolge der vor zwei Jahren abgeschafften turnusmäßigen Dichtheitsprüfungen für alle Abwasserkanäle sparten Hauseigentümer in der Regel zwischen 300 und 800 Euro pro Grundstück und entfallener Prüfung, erklärte Umweltminister Oliver Krischer (Grüne). Allerdings werde bei vielen Haus- und Grundstücksanschlussleitungen ein möglicherweise bestehender Sanierungsbedarf nun nicht mehr festgestellt, da nur noch in definierten Einzelfällen geprüft werden müsse.

«Folglich entfallen vielfach die Kosten für die eigentlich erforderliche Sanierung der privaten Haus- und Grundstücksanschlussleitungen», stellte Krischer fest. Allerdings könne eine fortlaufende unerkannte Verschlechterung langfristig zu höheren Sanierungskosten führen, warnte der Minister.

Der Landtag hatte vor zwei Jahren die «Selbstüberwachungsverordnung Abwasser» geändert. Seitdem müssen Hauseigentümer nur noch bei Neuvorhaben in Wasserschutzgebieten, bei wesentlichen Änderungen und in begründeten Verdachtsfällen überprüfen lassen, ob ihre Abwasserkanäle wirklich dicht sind. Industrielle oder gewerbliche Abwasseranlagen müssen allerdings weiterhin turnusmäßig überprüft und undichte Kanäle repariert werden.

Zuletzt seien nur noch sehr wenige bestehende Anlagen auf Dichtheit überprüft worden, teilte Krischer mit. Erkenntnisse über Auswirkungen auf das Grundwasser lägen nicht vor. «Eine statistisch signifikante Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit wäre aufgrund des kurzen verstrichenen Zeitraums jedoch auch kaum zu erwarten.» Zudem sei eine Unterscheidung zwischen Verunreinigungen aus undichten privaten Abwasserleitungen und aus der öffentlichen Kanalisation nicht möglich.