Eine Labormitarbeiterin nimmt im Amtssitz des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen eine DNA-Probe von einem Messer., © Rolf Vennenbernd/dpa

Zahl der Messerattacken steigt in NRW deutlich

Die Zahl der Messerattacken ist in Nordrhein-Westfalen deutlich gestiegen. Das geht aus einem Bericht hervor, den NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) auf SPD-Anfrage dem Landtag übermittelt hat. War die Zahl der Attacken mit Messern und anderen Stichwaffen für das Jahr 2022 auf 5081 beziffert worden, lag sie ein Jahr später bei 6221 Taten. Das entspricht einem Anstieg von 22,4 Prozent. 

Bei fast 5700 im Jahr 2023 ermittelten Tatverdächtigen war mehr als jeder dritte unter 21 Jahre alt. Fast 87 Prozent waren männlich. Die Mehrheit der Verdächtigen waren Deutsche, gefolgt von Syrern, Türken, Irakern und Rumänen. 

Von den mehr als 8000 Opfern der Attacken war 2023 nahezu jedes dritte Opfer unter 21 Jahre alt (31, 1 Prozent) und überwiegend männlich (76,5 Prozent). Von den Opfern waren 61,7 Prozent Deutsche, gefolgt von Syrern, Türken, Irakern und Polen. Bei etwa drei Prozent der Attacken (198) habe es sich um Tötungsdelikte gehandelt. 

Der Anstieg löste am Donnerstag eine Diskussion im Innenausschuss des Landtags aus. Die Opposition forderte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zum Handeln auf. Das Messer habe in der Öffentlichkeit nichts verloren, sagte die SPD-Abgeordnete Christina Kampmann. «Die zunehmenden Angriffe mit Stichwaffen sind eine brandgefährliche Entwicklung. Der Landesregierung ist es bisher nicht gelungen, diese Entwicklung in den Griff zu bekommen.»

Unterdessen habe Niedersachsen eine Verschärfung des Waffenrechts in den Bundesrat eingebracht, die ein Verbot von sämtlichen Springmessern vorsehe. Messer mit feststehender Klinge sollten schon ab sechs Zentimetern Klingenlänge verboten werden. NRW sollte diese Initiative unterstützen. 

«Wir brauchen endlich konsequente Abschreckung, die auch Wirkung zeigt», sagte der FDP-Abgeordnete Marc Lürbke. Messer hätten auf Feiern, Volksfesten, Schulhöfen und in Zügen nichts verloren. Die vielzitierte «Strafe auf dem Fuße» sei in NRW angesichts einer völlig überlasteten Justiz vielfach schlicht Fehlanzeige. Überall, wo möglich, sollten beschleunigte Verfahren greifen. 

«Es ist nicht das Instrumentarium des Innenministeriums, dass diese Probleme lösen wird», sagte die Grünen-Abgeordnete Julia Höller. Sie verwies aber auf die Initiative des Dortmunder Polizeipräsidiums, Intensivtätern das Tragen von Messern in der Öffentlichkeit zu verbieten. 

Reul sagte, er habe nichts gegen eine Verschärfung des Waffenrechts, für die der Bund zuständig sei. Dies werde aber nicht reichen. Schon jetzt drohten bei Verstößen in den Waffenverbotszonen in NRW bis zu 2000 Euro Bußgeld. 40 00 Menschen seien kontrolliert worden. Auch für schnellere Gerichtsverfahren sei er als Innenminister nicht zuständig. Der AfD-Abgeordnete Markus Wagner regte an, Messerangriffe strafrechtlich immer als Mordversuch zu werten, weil der Tod des Opfers in Kauf genommen werde. 

Quelle: dpa