Public Viewing des Champions-League-Finales Dortmund - Real Madrid., © Bernd Thissen/dpa

Kein schwarz-gelbes Wunder für Dortmund-Fans

Als im rund 525 Kilometer Luftlinie entfernten London das erste Tor des Champions-League-Finales fällt, ist die Stimmung auf dem Dortmunder Hansaplatz von jetzt auf gleich eine andere: Eben noch wurde jede Aktion des BVB frenetisch umjubelt, doch mit dem Torschuss von Dani Carvajal scheint bei den meisten hier die große Hoffnung auf ein Fußballwunder jäh verpufft. Beim nächsten Treffer von Real spätestens ist klar: Gefeiert wird heute woanders.

Stattdessen fließen bei so manchem nun bittere Tränen. Väter trösten den weinenden schwarz-gelb gekleideten Nachwuchs, erwachsene Männer und Frauen schauen mit feuchten Augen zu, wie Real Madrid sich zum 15. Mal zum Sieger in der Königsklasse küren lässt. Erschöpft vom Mitfiebern und Bangen sitzen einige mit hängenden Köpfen auf dem sich nach Abpfiff rasch leerenden Platz inmitten zertretener Bierdosen. Sie hatten gehofft auf eine lange Fußballnacht und auf die Rückkehr ihrer Mannschaft mit Henkelpott und schwarz-gelber Party auf dem Borsigplatz.

Schon Stunden vor dem Anpfiff hatten sich Fußballfans die besten Plätze in Kneipen und Biergärten gesichert. Zehntausende waren auf den Beinen, um ihre Mannschaft in London vom heimischen Boden aus anzufeuern.

Am so lange ersehnten Finalabend fällt entsprechend eher ins Auge, wer sich nicht in schwarz-gelbe Schale geschmissen hat: Trikots, Fahnen, BVB-Schals, Henkelpott-Attrappen überall. Viele haben eigens für diesen Abend ein frisch gedrucktes T-Shirt gekauft: «London 24» steht auf dem Rücken, «Yellow Wonder Wall» auf der Vorderseite – schwarz auf gelb versteht sich. Am Mangel an Unterstützung der daheimgebliebenen BVB-Fans jedenfalls soll das Fußballwunder nicht scheitern: Die gelbe Wand der Fans in der Ruhrgebietsstadt steht.

Allein vor die Leinwand auf dem Hansaplatz im Herzen Dortmunds sind 7500 Menschen gekommen – der Sicherheitsdienst muss den Platz kurz vor Anpfiff absperren. Zu voll. Luftiger ist es beim zweiten und größten Public-Viewing-Standort in der Dortmunder Nordstadt. Laut Polizei verfolgen hier 14.000 am Abend das Spiel auf großer Leinwand. Auch in den Westfalenhallen ist noch Platz: 11.000 Tickets waren zwar schnell ausverkauft. Am Abend selbst sind es aber nur knapp 8000, die sich für das Indoor-Fußball-Gucken in den Messehallen entscheiden.

Bis weit in die zweite Hälfte der lange torlosen Partie hinein bejubeln die Fans in Dortmund jeden gewonnenen Zweikampf ihrer Mannschaft, jede gelungene Defensivaktion und jeden Schuss in Richtung Tor der Königlichen. Immer wieder wird in der Menge auf dem Hansaplatz Pyrotechnik abgebrannt, dann steigt Rauch in den wolkenverhangenen Nachthimmel. Wenigstens bleibt der befürchtete Regen aus.

Quelle: dpa