Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist ins Grenzgebiet zu Russland gereist., © Efrem Lukatsky/AP/dpa

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Inmitten anhaltender Kämpfe ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in das an Russland grenzende Gebiet Sumy im Nordosten seines Landes gereist. Er habe dort unter anderem verwundeten ukrainischen Soldaten Auszeichnungen überreicht, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache, die er vor Ort aufnahm.

Bei seinem Besuch habe er auch die weitere Verteidigung der Region besprochen. «Das ist besonders schwierig in der Grenzregion, die ständigem russischem Terror ausgesetzt ist», führte der Staatschef aus. Das ukrainische Präsidialamt veröffentlichte darüber hinaus Fotos, die zeigen, wie Selenskyj Schützengräben inspiziert.

Sumy grenzt auf russischer Seite an die Gebiete Brjansk, Kursk und Belgorod. In Belgorod stürzte offiziellen Angaben zufolge eine Drohne in ein Verwaltungsgebäude. Dabei sei eine Frau verletzt worden, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow auf Telegram mit. Auf anderen Telegram-Kanälen war von mehreren Verletzten die Rede. Darüber hinaus soll es sich diesen zufolge bei dem betroffenen Gebäude um die Innenbehörde der Region handeln. Das russische Verteidigungsministerium teilte lediglich mit, dass drei Drohnen erfolgreich von der Luftverteidigung abgewehrt worden seien.

Fliegerbombenangriff auf Charkiw – ein Toter und Verletzte

Die ostukrainische Großstadt Charkiw wurde nach Behördenangaben von der russischen Luftwaffe mit Fliegerbomben angegriffen. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden, berichtete der Gouverneur des Gebiets Charkiw, Ihor Terechow, auf Telegram. 19 weitere Personen seien verletzt worden, teilte Präsident Selenskyj etwas später auf Facebook mit. Mehrere fünfgeschossige Wohnhäuser seien beschädigt worden, ebenso ein Institut für Notfallchirurgie. Nach Angaben der örtlichen Polizei war es seit dem ersten Kriegsjahr 2022 der erste Luftangriff mit Bomben, die von feindlichen Flugzeugen abgeworfen wurden.

Die Millionenstadt Charkiw liegt nur etwa 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Sie wird fast täglich von Russland mit verschiedenen Waffen beschossen. Wegen der kurzen Distanz haben die Menschen bei Luftalarm oft kaum Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Vergangene Woche verursachte ein russischer Raketenangriff einen vollständigen Stromausfall in der zweitgrößten Stadt der Ukraine, dessen Folgen noch andauern. Ein großes Strom- und Wärmekraftwerk wurde beschädigt und kann nicht repariert werden.

Auch im südukrainischen Gebiet Odessa gibt es laut dem ukrainischen Netzbetreiber Ukrenerho weiter Probleme bei der Stromversorgung. Im Gebiet Chmelnyzkyj und der Großstadt Krywyj Rih im südostukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk seien hingegen die Einschränkungen aufgehoben worden. Um den Mangel auszugleichen, importiert die Ukraine Strom aus den fünf Nachbarstaaten Rumänien, Slowakei, Polen, Ungarn und Moldau.

Ukraine drängt auf mehr Patriot-Systeme von Partnerstaaten

Kiew forderte die Verbündeten erneut zur Lieferung weiterer Patriot-Flugabwehrsysteme auf. «Patriots müssen jetzt hier stationiert werden, in der Ukraine, um reale Menschenleben zu schützen und nicht an Orten bleiben, an denen die Raketengefahr gleich null ist», sagte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba bei einer Pressekonferenz.

Allein in der Woche zwischen dem 18. und dem 24. März habe Russland 190 Raketen verschiedener Typen, 140 Kampfdrohnen und 700 Gleitbomben gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt. Bei ballistischen Raketen, die erst auf eine große Höhe steigen und dann steil Richtung Erde fallen, sei die Gefahr besonders groß. «Sie können Ziele in besonders hohen Geschwindigkeiten erreichen, lassen den Menschen wenig Zeit, um Schutz zu suchen und verursachen starke Zerstörungen», betonte der Minister.

Mehr Patriots könnte nicht nur Menschenleben retten, sondern auch wertvolle Ressourcen der Partnerländer sparen, so Kuleba. «Jedes Gebiet, das mit Patriot abgedeckt wird, bedeutet weniger Zerstörung von kritischer Infrastruktur und weniger Wiederaufbaukosten.» Mit jeder geschützten Stadt würden zudem Tausende Ukrainer aus dem Ausland zurückkehren, so Kuleba weiter. Die Rückkehrer stärkten damit die ukrainische Wirtschaft, das senke die Abhängigkeit von ausländischer Finanzhilfe.

Mit einer verstärkten Flugabwehr könne die ukrainische Armee zudem den Kriegsverlauf zugunsten der Ukraine ändern. Russland setze derzeit besonders häufig Gleitbomben ein. «Diese Bomben, die im Mittel 500 bis 1500 Kilogramm wiegen, erlauben es den russischen Besatzern, Ziele zu zerstören und auf den Trümmern vorzustoßen», sagte Kuleba.

Quelle: dpa